Start Ratgeber Wechselrichter und USV gebraucht kaufen
Wechselrichter und USV gebraucht kaufen — worauf achten
Zwei Geräte, die oft im selben Atemzug genannt werden und doch Verschiedenes tun: Ein Wechselrichter macht aus 12 Volt Gleichspannung 230 Volt Wechselspannung. Eine USV hält die Steckdose am Leben, wenn der Strom ausfällt. Gebraucht gekauft haben beide je eine Stelle, an der es schiefgeht — und es ist jeweils nicht die, auf die man zuerst schaut.
Wechselrichter, Teil 1: Sinus oder „modifizierter Sinus“
Das ist die wichtigste Angabe überhaupt, und sie steht oft nur im Kleingedruckten.
- Reiner Sinus liefert eine Kurve wie die Steckdose zu Hause. Läuft mit allem.
- Modifizierter Sinus liefert eine grobe Treppenkurve. Für Heizwendeln, Glühlampen, einfache Werkzeuge und viele Netzteile reicht das. Empfindlich reagieren können Geräte mit Motor oder Regelung, manche Ladegeräte, Audiotechnik und alles Medizinische. Typisch sind ein hörbares Brummen und Trafos, die wärmer werden als gewohnt.
Beides sind brauchbare Geräte — sie sind nur für Verschiedenes gebaut. Frag nach, welche Kurvenform das Gerät liefert, und prüfe, ob das zu dem passt, was du anschließen willst. Steht im Angebot nichts dazu, ist es fast immer modifizierter Sinus.
Wechselrichter, Teil 2: Die große Zahl ist selten die, die zählt
Auf dem Karton steht meist die Spitzenleistung — der Wert, den das Gerät für Sekundenbruchteile beim Anlaufen eines Motors liefert. Interessant ist die Dauerleistung, oft nur die Hälfte davon.
Und dann kommt die Rechnung, die im Angebot nie steht: Die Leistung muss durch die 12-Volt-Seite. 3.000 Watt bei 12 Volt sind rund 250 Ampere, mit Wandlungsverlusten eher 280. Das ist kein Kabel aus dem Baumarkt und keine normale Fahrzeugbatterie — es braucht Querschnitte und eine Absicherung, wie sie der Hersteller im Handbuch vorgibt, und eine Batterie, die diesen Strom überhaupt liefern kann.
Deshalb werden die meisten großen Wechselrichter nie in der Nähe ihrer Nennleistung betrieben. Wer einen gebraucht kauft, sollte vorher ausrechnen, was tatsächlich daran hängen soll — und dann eher auf Kabel, Klemmen und Sicherung schauen als auf die Zahl auf dem Gehäuse.
USV, Teil 1: VA ist nicht Watt
Eine USV wird in Voltampere beworben, belastbar ist sie in Watt. Beide Zahlen stehen auf dem Gerät, und sie sind nicht dasselbe: 2.000 VA können 1.200 W bedeuten.
Wer nach VA vergleicht, vergleicht die Werbezahl. Für die Frage „trägt sie meinen Rechner und den Monitor?“ zählt der Wattwert — und auf den sollte man deutlich unter Volllast bleiben, sonst wird die Überbrückungszeit sehr kurz.
USV, Teil 2: Du kaufst die Batterie
🔴 Das ist der Punkt, an dem gebrauchte USVs stehen und fallen. Die Elektronik hält praktisch ewig; das Verschleißteil ist der Blei-Akku im Inneren. Als Faustregel hält er im Dauerbetrieb einige Jahre — und eine USV, die lange entladen gelagert wurde, hat oft gar keinen brauchbaren Akku mehr.
Das Gute: Blei-Akkus in USVs sind Standardgrößen und einzeln nachkaufbar. Eine günstige USV mit müdem Akku kann deshalb ein vernünftiger Kauf sein — man muss den Austausch nur einrechnen, statt sich zu ärgern.
Der einzige Test, der bei einer USV zählt
Dass das Display angeht und der Akku lädt, sagt fast nichts. Der Test, der etwas aussagt, ist der Ernstfall im Kleinen:
- Eine bekannte Last anschließen — eine Lampe oder ein kleines Netzteil genügt.
- Den Netzstecker der USV ziehen.
- Bleibt die Last an? Wie lange? Klackt die Umschaltung sauber?
Eine USV, die unter Last sofort abschaltet, hat einen leeren oder toten Akku. Eine, die zwei Minuten hält, obwohl zwanzig draufstehen, auch.
Frag nach: Wurde unter Last umgeschaltet oder nur eingeschaltet? Diese eine Antwort trennt geprüfte von angeschauter Ware.
Beim Versand: Blei ist ein eigenes Thema
Eine USV mit eingebautem Blei-Akku fällt nicht unter die Lithium-Vorschriften, sondern unter die für Blei-Akkumulatoren (UN 2794 / UN 2800). Auslaufsichere Akkus sind nach Sondervorschrift 238 von der Gefahrgutkennzeichnung befreit — das ist der übliche Fall bei einer USV, gehört aber vor dem ersten Versand einmal geprüft und nicht angenommen.
Praktisch heißt das außerdem: schwer. Eine 2.000-VA-USV ist kein Päckchen, und der Akku sollte im Gerät fixiert sein, bevor der Karton zugeht.
Die Kurzfassung
Beim Wechselrichter: Kurvenform klären, Dauerleistung statt Spitzenleistung lesen, und die 12-Volt-Seite durchrechnen. Bei der USV: Wattwert statt VA, und davon ausgehen, dass der Akku das Alter des Geräts hat — mit einem Umschalttest unter Last weiß man es statt zu hoffen.
Kurz gefragt
Was ist der Unterschied zwischen reinem und modifiziertem Sinus?
Ein reiner Sinus liefert eine Kurve wie die Steckdose und läuft mit allem. Ein modifizierter Sinus liefert eine Treppenkurve — das reicht für Heizwendeln, Glühlampen und viele Netzteile, empfindlich reagieren können Geräte mit Motor oder Regelung, manche Ladegeräte, Audiotechnik und alles Medizinische.
Welche Leistungsangabe zählt bei einem Wechselrichter?
Die Dauerleistung, nicht die Spitzenleistung auf dem Karton — sie ist oft nur die Hälfte. Dazu kommt die 12-Volt-Seite: 3.000 Watt bei 12 Volt sind rund 250 Ampere.
Ist VA dasselbe wie Watt bei einer USV?
Nein. Eine USV wird in Voltampere beworben, belastbar ist sie in Watt: 2.000 VA können 1.200 W bedeuten.
Wie testet man eine gebrauchte USV?
Eine Last anschließen, den Netzstecker der USV ziehen und sehen, ob und wie lange die Last an bleibt. Das Verschleißteil ist der Blei-Akku — er ist meist eine Standardgröße und einzeln nachkaufbar.