Start Ratgeber Retourenware kaufen
Retourenware und Amazon-Retouren kaufen — lohnt sich das?
Manchmal ja, manchmal gar nicht. Ob sich eine Retoure lohnt, hängt weniger davon ab, woher sie kommt, als davon, wer sie dir verkauft und was er über dieses eine Stück sagen kann. Was die Begriffe selbst bedeuten, steht im Ratgeber Retoure, Restposten, B-Ware. Hier geht es um die Frage danach: kaufen oder lassen?
1. Woher Retourenware kommt
Was im Onlinehandel zurückgeschickt wird, geht nicht immer zurück ins Regal des Händlers. Ein Teil wird gesammelt und als Posten weiterverkauft — an Aufkäufer, die daraus wieder Einzelstücke machen. Amazon beschreibt selbst ein Programm, über das Verkaufspartner Retouren und unverkaufte Bestände an Aufkäufer von Restposten weiterverkaufen können.
Auf diesem Weg landet ein Gerät, das jemand bestellt und zurückgeschickt hat, irgendwann bei einem Händler wie uns — und von dort bei dir. Was dazwischen mit dem Stück passiert ist, weiß am Ende niemand vollständig. Umso wichtiger ist, was der letzte Verkäufer tatsächlich nachgesehen hat.
Ist Retourenware gebraucht? Nicht automatisch. Eine Retoure, bei der nur der Karton geöffnet wurde, gilt in der Regel nicht als gebraucht — und dann darf der Händler die Gewährleistung auch nicht auf zwölf Monate verkürzen. Gebraucht ist ein Stück erst, wenn es wirklich benutzt wurde.
2. Retourenpaletten: für Privatleute meist ein Risiko
Eine Retourenpalette ist genau das, was ein Händler nicht einzeln prüfen wollte. Du kaufst sie im Ganzen, und damit kaufst du mit, was darauf liegt:
- Ungeprüft. Niemand hat die Geräte eingeschaltet. Ob sie funktionieren, erfährst du erst zu Hause.
- Inhalt unbekannt. Was, wie viel und in welchem Zustand, steht vorher nicht fest. Vieles davon brauchst du vielleicht gar nicht.
- Defekte und Fehlteile. Unter Retouren sind auch Stücke, die zurückkamen, weil etwas nicht stimmte.
- Der Elektroschrott bleibt bei dir. Defekte Elektrogeräte gehören nicht in den Hausmüll, sondern zur getrennten Sammlung, etwa zum Wertstoffhof. Wie das geht, steht auf unserer Seite Elektroaltgeräte und Batterien.
🔴 Dazu kommt eine bekannte Betrugsmasche. Die Verbraucherzentrale Sachsen hat vor Angeboten gewarnt, bei denen angebliche Amazon-Paletten mit Smartphones oder Konsolen für wenig Geld angeboten werden — bezahlt wurde, geliefert nichts. Echte Retouren werden zwar teilweise palettenweise verkauft, laut Verbraucherzentrale aber in großen Mengen an Unternehmen, nicht als Schnäppchen an Privatkunden.
3. Woran du einen seriösen Händler erkennst
Bei Einzelstücken aus Retouren sind es immer dieselben Punkte. Fehlt einer, frag nach — und wenn keine Antwort kommt, ist das auch eine.
- Impressum. Wer verkauft, gewerblich oder privat? Ein fehlendes Impressum ist nach der Verbraucherzentrale ein klares Warnzeichen.
- Fotos vom echten Stück. Nicht die Herstellerbilder, sondern das Gerät, das du bekommst.
- Mängel einzeln genannt. Welcher Kratzer, wo, wie groß, mit Foto. „Gebrauchsspuren“ oder „B-Ware“ allein beschreiben nichts.
- Eine Prüfaussage mit Inhalt. Was wurde getestet — und was nicht? „Getestet“ ohne Angabe ist keine Aussage.
- Lieferumfang. Was ist dabei, was fehlt: Netzteil, Zubehör, Anleitung, Karton.
- Gewährleistung. 24 oder 12 Monate — und wenn 12, wo stand das vor dem Kauf?
Und ein Preis, der zu schön klingt, ist ein Grund, genauer hinzusehen. Auch das gehört zu den Punkten, die die Verbraucherzentrale bei unseriösen Shops nennt.
4. Welche Rechte du hast
Kaufst du bei einem gewerblichen Händler, gilt die gesetzliche Gewährleistung von 24 Monaten — auch für Retouren und B-Ware. Auf zwölf Monate verkürzen darf er nur bei ausdrücklich gebrauchter Ware, und nur wenn du vor der Bestellung darauf hingewiesen wirst und die Verkürzung ausdrücklich und gesondert vereinbart ist (§ 476 Abs. 2 BGB).
Zeigt sich ein Mangel in den ersten zwölf Monaten, wird vermutet, dass er von Anfang an da war (§ 477 BGB). Beim Kauf aus der Ferne, etwa im Onlineshop, kommt das Widerrufsrecht dazu: 14 Tage ab Erhalt, ohne Grund.
Kaufst du von privat, darf der Verkäufer die Gewährleistung ausschließen — und in fast jedem privaten Angebot ist sie ausgeschlossen. Mehr dazu im Ratgeber Gewährleistung bei gebrauchter Ware.
5. Wann es sich lohnt — und wann nicht
Retouren liegen zwischen ungeöffnetem Karton und wochenlang benutztem Gerät. Lohnen kann sich ein Stück, dessen Zustand du anhand von Fotos und Mängelliste wirklich beurteilen kannst, beim Händler mit voller Gewährleistung.
Genauer hinsehen solltest du bei Akkus und Verschleißteilen. Frag, ob der Akku gemessen wurde und ob es Ersatzteile noch gibt. Bei Geräten mit App muss das Gerät aus dem Konto des Vorbesitzers entfernt sein. Und ist der Abstand zum Neupreis klein, die Gewährleistung aber kürzer, ist neu oft die bessere Wahl.
6. Wie wir damit umgehen
Wir kaufen selbst Retouren- und Restpostenware ein, auch Retourenpaletten. Die Prüfung, die bei einer Palette fehlt, machen deshalb wir: Jedes Stück wird einzeln ausgepackt und geprüft, jeder Mangel mit Foto dokumentiert. Defektes kommt nicht ins normale Sortiment, sondern nur als ausdrücklich gekennzeichnete Trödelware mit dem Defekt im Protokoll.
Die Vorgeschichte einer Retoure kennen wir nicht, und wir erfinden keine. Am Artikel steht nur, was wir sagen können. Im Sortiment gelten 24 Monate Gewährleistung; wo ein Artikel wirklich benutzt wurde und zwölf Monate gelten sollen, steht das an genau diesem Artikel.
Die Kurzfassung
Retourenware kann ein guter Kauf sein — als geprüftes Einzelstück von einem gewerblichen Händler, mit Fotos, einzeln genannten Mängeln und Gewährleistung. Eine ungeprüfte Palette ist für Privatleute meist ein Glücksspiel mit Entsorgungsarbeit, und eine billige „Amazon-Palette“ in sozialen Netzwerken oft gar kein Kauf, sondern Betrug.
Geprüfte Einzelstücke ansehen Gewährleistung bei gebrauchter Ware
Kurz gefragt
Ist Retourenware gebraucht?
Nicht automatisch. Eine Retoure, bei der nur der Karton geöffnet wurde, gilt in der Regel nicht als gebraucht, und dann darf der Händler die Gewährleistung auch nicht auf zwölf Monate verkürzen. Gebraucht ist ein Stück erst, wenn es wirklich benutzt wurde.
Lohnt es sich, als Privatperson eine Retourenpalette zu kaufen?
Meist nicht. Eine Retourenpalette ist ungeprüft, ihr Inhalt steht vorher nicht fest, und defekte Elektrogeräte darauf gehören nicht in den Hausmüll, sondern zur getrennten Sammlung. Dazu hat die Verbraucherzentrale vor Angeboten angeblicher Amazon-Paletten gewarnt, bei denen bezahlt, aber nichts geliefert wurde.
Woran erkennt man einen seriösen Händler für Retourenware?
An einem Impressum, an Fotos vom echten Stück und an Mängeln, die einzeln genannt sind. Dazu gehören eine Prüfaussage, die sagt, was getestet wurde und was nicht, ein aufgezählter Lieferumfang und eine klare Angabe zur Gewährleistung.
Welche Gewährleistung gilt bei Retourenware?
Beim gewerblichen Händler 24 Monate, auch für Retouren und B-Ware. Auf zwölf Monate verkürzen darf er nur bei ausdrücklich gebrauchter Ware, wenn du vor der Bestellung darauf hingewiesen wirst und die Verkürzung ausdrücklich und gesondert vereinbart ist (§ 476 Abs. 2 BGB). Kaufst du von privat, darf der Verkäufer die Gewährleistung ausschließen — und meistens ist sie ausgeschlossen.